September 21st, 2011
roettger

Wired - ein Anlass für olle Kamellen

Die deutsche Wired ist jetzt fast zwei Wochen draußen. Es gab viele KritikenUnd nein, ich will nicht noch eine schreiben. Höchstens anmerken, dass ich nicht verstanden habe, warum man in einem Heft, das für Geeks ist, schreibt: 

“Geek. Kennen Sie diesen Begriff? Wahrscheinlich nicht.”

(Übrigens: Zu der Nerd-Geek-Unterscheidung und Diskussion gibt es hier einen interessanten Text bei CNN mit vielen unterschiedlichen Positionen. Hatte ich noch im Kopf aus der Zeit, in der ich für das Geekonomics-Dossier in Business Punk (April 2011) recherchierte; ich benutze in meinem damals veröffentlichtem Essay Warum Geeks die neuen Rockstars sind die Begriffe Nerd und Geek bewusst synonym.) 

Warum ich mich jetzt trotzdem noch mal melde anlässlich der Wired? Weil ich das Bedürfnis habe, etwas klar zu stellen, das mich schon seit zwei Jahren ärgert. Etwas, das nichts mit der Wired, sondern mit Chefredakteur Thomas Knüwer zu tun hat. Der Wired-Start und die Kritiken an Knüwers Wired erinnerten mich wieder daran, wie Knüwer die Erstausgabe von Business Punk besprach. Diese Blattkritik von damals ärgert mich aufgrund einer fiesen Unterstellung jetzt wieder: In seinem Blog, damals noch hier beim Handelsblatt (aber auch hierhin mit umgezogen) bezichtigte er Business Punk ungerechtfertigter Weise der Lüge. Und weil das jetzt schon seit zwei Jahren so im Netz steht, will ich das endlich mal klarstellen (ich hatte es damals versäumt).

Knüwer behauptete, das Zitat eines Wallstreet-Bloggers aus unserem damaligen Editorial:

“We like to work hard. We like to play hard. We love money and all the happiness it brings us. We like to close the bar at 4 am on a Monday night and be at the office a few hours later.”

sei erfunden, weil er es nicht im Internet fand. Knüwer schrieb: Business Punk…

„beginnt gleich männlich hart: Mit einer Lüge. Für wie blöd hält die Redaktion von Business Punk ihre Leser? Antwort: für ziemlich blöd. Zumindest für so blöd dieses Google-Teil nicht benutzen zu können. (…) Ein Blogger? Welcher denn? Antwort: keiner“.


„Aber das ist wohl die echt dreckige Business-Punk-Haltung eines Business-Punk-Journalisten: Wenn du keine Geschichte hast, erfinde dir eine – wenn du keine Zitate hast, imaginier sie.“ 

Das Zitat ist natürlich NICHT erfunden. In unserer Pressemitteilung lautete die Quellenangabe zu dem Zitat: “in Anlehnung an einen Wall-Street-Blogger”. In Anlehnung deshalb, weil es leicht verändert ist: etwas gekürzt und der Satz “We are Business Punks” stand nicht im Originalzitat (der Satz tauchte in unserem Editorial auch nicht auf). Das Wallstreet-Blog allerdings wurde nach der Lehman-Pleite und Finanzkrise irgendwann gelöscht. Aber es heißt ja so schön, das Netz vergesse nie. Und darum kann jeder (also die wenigen, die das außer mir heute noch interessiert) hier das Originalzitat nachlesen: in einem Messageboard, gepostet am 26. November 2008. Also fast ein Jahr vor der Business-Punk-Erstausgabe.

http://www.campidiot.com/ci/viewtopic.php?pid=802048

Im Original lautet das Zitat: 

“We are cowboys. We like to work hard. We like to play hard. We love money, and all the happiness it brings us. We are good with numbers and have a way with words. We like to close the bar at 4am on a Monday night and be at the office a few hours later. We are Wall Street.” 

Man findet es über Google, zwar nicht mit einer einfachen Suchanfrage, aber darum ist googeln auch nicht recherchieren.

Ich weiß, olle Kamellen, die ich da hervorgeholt habe. Aber mich ärgert das heute noch bzw. jetzt wieder, und den Vorwurf der Lüge so im Internet stehen zulassen, geht nicht. Darum war das jetzt ein guter Anlass Versäumtes nachzuholen. Und ich möchte betonen, dass ich rein gar nichts gegen irgendeine Form von sachlicher Kritik an sich habe, weil die Kritik im Allgemeinen eine gute Sache ist. Ohne Kritik geht es nicht weiter. Und das Tolle an einem Periodikum ist, dass man es weiterentwickeln kann, Dinge, die nicht gut waren, weglassen, andere neu ausprobieren kann. Wir haben das in den vergangenen Business-Punk-Ausgaben immer wieder gemacht und versucht. 

Es geht mir nur um diesen unsäglichen Vorwurf der Lüge, der einmal ausgeräumt werden muss. 

PS. Jetzt habe ich - natürlich - die Blattkritik von damals noch mal ganz gelesen und bin kurz davor mich reinzusteigern, weil Knüwer die Zehn-Zeilen-Glosse über Kamps Tattoos derart uminterpretiert, als handelte es sich beim “Coolnessversuch, der daneben ging” nicht um die Tattoos, sondern um Tank&Rast. (In einer Rubrik namens “Die drei von der Punkstelle”, die nach der Erstausgabe nicht mehr erschien).

Dann denke ich aber:

  • Manche Kritik ist berechtigt (“Die Frauen, mit denen Sie rechnen müssen” - haben wir nie wieder gemacht),
  • andere weniger (Dass Knüwer damals den Kampf zwischen Facebook und Google für eine Fehleinschätzung hielt - das hat sich von selbst erledigt, das hatten die Kollegen vom US-Wired, aus dem wir die Geschichte übernommen und übersetzt hatten, sehr richtig vorausgesagt);
  • wieder anderes ist Geschmacksache (muss nicht jedem ein Oliver-Kahn-Interview gefallen.) 
  • Und dass der Text über das Klischee der “sexy Sekretärin” ein feuilletonistisches Stück war, das sich an der Rolle und dem Klischee der Sekretärin in Film und Fernsehen abarbeitet (von Liselotte Pulver bis Joan aus Mad Men), war vielleicht nicht für jeden sofort ersichtlich, weil Joan, mit der der Text beginnt - ich meine: Wer kannte 2009 hierzulande schon Mad Men? 
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@nikolausr

Hi, I am a journalist. I work as the editor of Business Punk, a young german business&lifestyle-magazine, which I developed and founded. Business Punk writes about ideas, innovations and the fast life of entrepreneurs and business rebels. So far we have run stories about Richard Branson, Dennis Crowley, Mark Ronson, Rupert Murdoch, Mark Parker, Makerbots, Facebook, Morten Lund, Nicolas Berggruen, etc.

I also work as an journalist for the Financial Times Deutschland, which is - as Business Punk - published by the Gruner&Jahr Wirtschaftsmedien.

I live with my wife, my son and my daugther in Hamburg, Germany.

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